Inhaltsbereich

Bauaufsicht

Landesbauordnung - Barrierefreies Wohnen

Mit der am 12. Juli 2018 im Landtag Nordrhein-Westfalen verabschiedeten Landesbauordnung, die am 1. Januar 2019 in Kraft treten wird, wird in Nordrhein-Westfalen ein Paradigmenwechsel im Wohnungsbau eingeleitet: Künftig werden Wohnungen in Gebäuden ab der Gebäudeklasse 3 barrierefrei und eingeschränkt für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer nutzbar sein.

Damit kehrt die Landesregierung eine heute vielerorts gelebte Praxis um: Wohnungen werden künftig so gebaut, dass die Barrierefreiheit als universales Gestaltungsprinzip Einzug in den Wohnungsbau halten wird. Heute werden noch vielerorts sehr aufwendig mit Steuer- sowie mit Eigenmitteln Bestandsimmobilien an eine älter werdende Gesellschaft angepasst werden.

Erfreulicherweise konnte über den vorstehend beschriebenen Sachverhalt eine Einigung mit den Partnern in der „Allianz für mehr Wohnungsbau“ erzielt werden: Der Verband der Wohnungswirtschaft, Haus & Grund sowie der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen unterstützen diesen Paradigmenwechsel und haben diesen – neben anderen Punkten – zur Grundlage der „Allianz für mehr Wohnungsbau“ gemacht. Der Zusammenschluss von der wohnungswirtschaftlichen Verbänden und des Ministeriums zur „Allianz für mehr Wohnungsbau“ tritt mit gemeinsamen Initiativen insgesamt dafür ein, mehr Wohnungsbau und Eigentumsbildung zu schaffen, Wohnungsbestände außerhalb der Ballungszentren zu stärken, mehr rollstuhlgerechte Wohnungen zu unterstützen und eine verbesserte Modernisierungsförderung umzusetzen.


Es wird zudem der wichtige Ansatz verfolgt einen Ausgleich zwischen den Zielen der „Bezahlbarkeit von Wohnraum“ auf der einen Seite und der „Barrierefreiheit“ auf der anderen Seite zu schaffen. Vor diesem Hintergrund folgt die Bauordnung Nordrhein-Westfalen diesem Ansatz: Wohnungen, die künftig gebaut werden, müssen für die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen bezahlbar sein und dennoch den Anforderungen an eine älter werdende Gesellschaft berücksichtigen. Der barrierefreie Bau von Wohnungen sichert die Entwicklung eines nachhaltigen Wohnungsmarkt-Angebotes, das einer breiten Schicht von künftigen Nutzerinnen und Nutzern gerecht wird: den Älteren und ggf. in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen genauso wie Familien mit Kindern. Denn: barrierefrei ist auch kinderwagengerecht.


Darüber hinaus werden folgende Maßnahmen vorgesehen, um die besonderen Bedarfe von Menschen im Rollstuhl bei der Wohnraumversorgung zu berücksichtigen:
 

Zielvereinbarungen schaffen Wohnraum für Menschen im Rollstuhl

Mit Städten in Ballungsräumen und Universitätsstädten wie Köln, Bonn und Münster werden Zielvereinbarungen geschlossen, die eine Anzahl von zu schaffendem Wohnraum für Menschen im Rollstuhl beinhalten und die mit Wohnraumfördermitteln flankiert werden.


Dadurch wird die Schaffung von Wohnraum für Menschen im Rollstuhl, für ein selbstbestimmtes Leben in unserem Land, planbar. In die Planung und den Bau von rollstuhlgerechten Wohnungen kommt zudem Routine und über den so geschaffenen Wohnraum bekommen die Städte und das Land ein Gefühl für die tatsächliche Nachfrage nach diesen Wohnungen.

 

Soziale Wohnraumförderung ermöglicht erstmals rollstuhlgerechten Bau von Wohnraum

Auch außerhalb von Ballungsräumen und Universitätsstädten wird über die Zielvereinbarungen hinaus, mittels der öffentlichen Wohnraumförderung Sorge dafür getragen, dass rollstuhlgerechter Wohnraum dort wirtschaftlich errichtet werden kann, wo ein entsprechender Bedarf besteht.

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung stellt dafür erstmals mit der NRW.BANK ein Zusatzdarlehen im Rahmen der öffentlichen Wohnraumförderung bereit. Es werden nicht nur höhere Pauschalen für den Flächenmehrbedarf berücksichtigt, sondern auch pauschalierte Zusatzbeträge, wenn die Vorgaben für den rollstuhlgerechten Wohnungsbau erfüllt werden. Je nach konkreter Ausstattung liegen die zusätzlichen Förderdarlehen für rollstuhlgerechte Wohnungen bei über 30.000 Euro verbunden mit Tilgungsnachlässen von über 10.000 Euro. Damit wird der erwartbare Mehraufwand einer R-Wohnung gegenüber einer normalen Wohnung ausgeglichen, der durch besondere Ausstattungsmerkmale von rollstuhlgerechten Standards entsteht.

Eine starre Quote, wie die Vorgängerregierung sie vorgesehen hat, wird es nicht mehr geben. Dies hätte insgesamt zu einer Verteuerung von Wohnraum für alle geführt.
Durch den Verzicht auf starre Quotenvorgaben wird darüber hinaus treffsicher erreicht, dass rollstuhlgerechter Wohnraum bei tatsächlichem Bedarf auch entsteht.

 

Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung wird für alle am Bau Beteiligten Transparenz und Klarheit geschaffen

Nordrhein-Westfalen hat gerade im öffentlich-geförderten Wohnungsbau sehr gute Erfahrungen mit den dort geltenden Regelungen zum barrierefreien Bauen gemacht.

Übrigens: Jede Wohnung, die mit öffentlicher Förderung in Nordrhein-Westfalen gebaut wurde, ist heute bereits barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar.

Mit der Einführung der DIN 18040-2 als Technische Baubestimmung, die zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen erarbeitet werden wird, gibt es endlich eine Klarstellung und eine Einführung der Barrierefreiheit als Mindeststandard (barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar) für Wohnbauvorhaben in Nordrhein-Westfalen.

 

Ein landesweiter Aktionstag „Wohnungen fürs Leben“ bringt alle am Bau Beteiligten sowie Nutzerinnen und Nutzer zusammen

Zudem soll es einen landesweiten Aktionstag „Wohnungen fürs Leben“ geben, um die am Bau Beteiligten sowie die Nutzerinnen und Nutzer von Wohnraum zusammenzubringen und um den Austausch von Erfahrungen und neuen Entwicklungen fokussiert zu betrachten.

 

Angebot und Nachfrage sollen zusammengeführt werden

Während auf der einen Seite Menschen im Rollstuhl über nicht vorhandene R-Wohnungen berichten, stehen gleichzeitig in derselben Stadt R-Wohnungen leer. Vielerorts finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Daher beabsichtigt die Landesregierung - zusammen mit den Partnern in der „Allianz für mehr Wohnungsbau“ – dafür Sorge zu tragen, dass beide Seiten künftig besser zueinander finden.

Die Landesregierung verfolgt mit diesen Maßnahmen das Ziel eine zukunftsgerichtete und an den Bürgerinnen und Bürgern orientierte Wohnungspolitik in Nordrhein-Westfalen umzusetzen.  

 

 


MGEPA im Überblick


© MHKBG Nordrhein-Westfalen