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3. Methoden der Konzeptentwicklung

Das integrierte Konzept setzt die Leitplanken für die spätere erfolgreiche Umsetzungsphase der energetischen Quartierssanierung – diese kann nur so passgenau und erfolgreich sein wie das Konzept selbst. Es ist daher entscheidend, die Konzeptentwicklung nicht nur als Pflichtaufgabe und Eintrittskarte für die Umsetzungsförderung zu sehen, sondern als praxisorientierte Strategie, die neue Erkenntnisse für alle beteiligten Akteure bereithält. Dabei ist es relevant, dass sich das Konzept nahtlos in verwandte räumliche Konzepte rund um Stadtentwicklung und Klimaschutz einfügt und diese sinnvoll ergänzt. Dabei kann ein Blick auf bereits erprobte Werkzeuge und erfolgreiche Modellprojekte der Quartierssanierung helfen, das Konzept schlank, effizient und mit Blick auf die Umsetzung vor Ort zu formulieren. Schlussendlich ist ein Konzept immer auch ein Medium der Kommunikation mit den örtlichen Akteuren und Zielgruppen. Die folgenden Abschnitte geben methodische Hinweise für die gezielte und passgenaue Entwicklung von energetischen Quartierskonzepten im Einklang mit den integrierten Stadtentwicklungszielen.

3.1 Qualitätsmerkmale eines Quartierskonzepts

Nach der Auswahl des Quartiers und der Klärung der mit dem Quartierskonzept verbundenen Zielsetzung bedarf es eines zielgerichteten, methodischen Vorgehens zur Erstellung des Konzeptes. Ein Quartierskonzept kann dabei – unter Beachtung der Vorgaben der eventuell in Anspruch genommenen Förderrichtlinie – unterschiedliche methodische Ansätze verfolgen:

  • Fokus auf Analyse und vertiefenden Erkenntnisgewinn: Auch unabhängig von den methodischen Anforderungen des Fördergebers kann es sinnvoll sein, einen vertiefenden analytischen Blick auf das Quartier und seine räumliche, energetische und soziodemografische Ausgangssituation zu werfen, wenn dies zu den zentralen Fragestellungen der handelnden Akteure passt. Beispielsweise kann eine möglichst präzise Ermittlung der Wärmebedarfe als Grundlage für eine Nahversorgungsstrategie der örtlichen Stadtwerke ein gewinnbringender Analyseschritt sein und die spätere Umsetzung erleichtern.
  • Fokus auf Chancen, Potenziale und Projekte: Besonders bei repräsentativen Quartieren, für deren Gebäudetypen bereits überregionale vergleichbare energetische Analysen sowie fundierte Erfahrungen und Erkenntnisse der örtlichen Akteure vorliegen, kann sich ein schlankes Konzept mit Schwerpunkt auf Projektempfehlungen eignen. Das Konzept kann dabei auch auf wenige Projekte ausgelegt werden, die detailliert betrachtet und dann möglichst umsetzungsreif ausgearbeitet werden. Beispiele sind Einfamilienhausgebiete der 50er bis 70er Jahre, deren Gebäudetypen in Bezug auf Handlungsempfehlungen unter anderem durch das Institut für Wohnen und Umwelt bundesweit gut dokumentiert sind. Auf eine tief greifende energetische Analyse kann zugunsten eines Schwerpunkts auf den praxisorientierten Handlungsempfehlungen verzichtet werden.
  • Fokus auf Umsetzung und die Zusammenarbeit von und mit Akteuren: Ein weiterer Schwerpunkt kann auf gemeinsam erarbeite Strategien für die Projektorganisation, Betreibermodelle, Vernetzung und Kommunikation gelegt werden, wenn dieser Charakter des Konzepts den Kernzielen der Akteure entspricht. Der Fokus liegt in diesem Fall weniger auf technischen und räumlichen als auf organisatorischen Handlungsempfehlungen.

Je nach individueller Erfordernis und den Zielen der Quartierssanierung in der Kommune können die beschriebenen methodischen Ansätze kombiniert werden. Die folgenden Abschnitte geben Empfehlungen für die einzelnen Arbeitsschritte von der Analyse über die Potenzialermittlung bis hin zu den Projekten. Grundsätzlich steht nicht der Umfang des Konzepts für dessen Qualität, sondern die Identifizierung

  • konkreter Anknüpfungspunkte und
  • realistischer Handlungsmöglichkeiten (zur Umsetzung in einem anschließenden drei- bis fünfjährigen Umsetzungsprozess). 

Mittels einer bewusst für die jeweilige Aufgabe zugeschnittenen Methodik kann sichergestellt werden, dass die Inhalte eine hohe Aussagekraft und gute Orientierung für die Umsetzer des Konzepts aufweisen. Die erforderlichen methodischen Schritte eines beispielhaften Konzepts im Überblick:

Die Datenqualität spielt bei der IST-Analyse des Quartiers eine maßgebliche Rolle. Um sicherzustellen, dass zentral bereitgestellte Daten (wie beispielsweise Energieverbräuche, Daten zu Gebäudenutzung oder dem Alter von Gebäuden) möglichst aktuell und richtig sind, empfiehlt es sich, neben der Erhebung von Daten bei den bekannten Datenquellen, zu Beginn der Konzepterstellung eine Quartiersbegehung und (Foto-)Dokumentation durchzuführen. Sollte dies aufgrund der Größe des Quartiers in keinem vertretbaren Aufwand hinsichtlich des Mehrwertes stehen, sollte zumindest eine stichprobenhafte Untersuchung in zentralen Bereichen und eine detaillierte Orthofoto-Analyse des restlichen Quartiers erfolgen.

Bei der Betrachtung der für das Quartier maßgeblichen Energieverbrauchssektoren ist darauf zu achten, dass sowohl der Energieverbrauch (z. B. anhand von Daten der Energienetzbetreiber) als auch der Energiebedarf (z. B. anhand von Gebäudetypologien) ermittelt und die Ergebnisse zusammengeführt werden, um eine plausible Datengrundlage zu erhalten. Die bestmöglichen Ergebnisse werden grundsätzlich bei einer gebäudescharfen Datenbereitstellung und -analyse erreicht. Hierzu sind jedoch i. d. R. tief greifende datenschutzrechtliche Anforderungen einzuhalten. Aufgrund dessen kann die Datenbereitstellung und -analyse zu vielen Themenbereichen auch aggregiert auf der räumlichen Ebene von statistischen Baublöcken erfolgen, wenn die erhoffte Aussagekraft als ausreichend für das Konzeptziel erachtet wird.

Hinsichtlich der Ermittlung von Energieeinspar- und Effizienzpotenzialen sollten die in den kommenden fünf Jahren (nach Fertigstellung des Konzepts) wirtschaftlich realistischen Potenziale ermittelt werden, welche die Basis zur Zielsetzung für das Quartier und die nachfolgende Umsetzung des Konzeptes bilden. Darüber hinaus sollte auch die Gesamtheit der technischen Potenziale aufgezeigt werden, die langfristig (z. B. bis zu den Jahren 2030 und 2050) realisiert werden kann – in Anlehnung an die klimapolitischen Ziele und Zeiträume der Bundesregierung.

Auch die Ermittlung von Chancen und Hemmnissen gemeinsam im Rahmen eines Termins mit lokalen Akteuren ist ein essenzieller Baustein. Mithilfe des Gesprächs lassen sich frühzeitig Anknüpfungspunkte ermitteln.  

Die Ergebnisse der IST-Analyse und der Potenzialermittlungen sollten mithilfe von GIS-Systemen so weit wie möglich räumlich verortet werden, da diese der konkreten Orientierung im Quartier dienen und hinsichtlich der Umsetzung des Konzeptes einen deutlichen Mehrwert liefern. Beispiele für die Möglichkeiten des GIS-Einsatzes in Quartierskonzepten finden sich am Ende dieses Abschnitts zum Download.

Die Basis für die Umsetzung des Konzeptes bildet das Projektportfolio als Maßnahmenkatalog. Dieser sollte sowohl die technisch-wirtschaftlichen als auch die aus der Akteursbeteiligung ermittelten Potenziale aufgreifen.

Hierbei gilt es, die Maßnahmenempfehlungen als Projektsteckbriefe aufzubereiten, sodass sie eine zeitliche Priorisierung ergeben, klar potenzielle Projektverantwortliche benennen und den Handlungsraum definieren.

Sämtliche Projekte sollten mit den vor Ort tätigen Akteuren bereits im Prozess abgestimmt und Verantwortlichkeiten etc. gemeinsam definiert werden, damit eine (zügige) Umsetzung (möglichst des gesamten Projektportfolios) sichergestellt werden kann.

Die Erfolgskontrolle der Konzeptumsetzung zur Ermittlung von Erfolgen als auch Problemen sollte sowohl aus der Fortschreibung der Energie- und CO2-Bilanz für das Gesamtquartier als auch aus einem einzelprojektbezogenen Controlling bestehen. Der Aufwand zur Fortschreibung und Erfolgsbilanzierung sollte angemessen sein, sodass möglichst zügig aussagekräftige Ergebnisse erarbeitet werden können.

Das Konzept selbst ist immer auch ein Mittel der Kommunikation gegenüber breiten Zielgruppen und sollte deshalb laienverständlich sein. Dazu zählen möglichst schlanke Darstellungen analytischer Inhalte, leicht lesbare Texte sowie prägnante Karten und Infografiken. Eine Kurzfassung mit den relevanten Kernaussagen ist darüber hinaus hilfreich.

Energetische Sanierung in der Praxis – Grundlagen zum KFW-Programm 432:
Der Leitfaden zeigt quartiersgerechte Strategien und Herangehensweisen auf – der Fokus liegt auf der Entwicklung eines Konzeptes als Grundlage. Energetische Sanierung wird dem Quartierskonzept untergeordnet, weitere Handlungsfelder im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung werden vorgestellt. Best-Practice-Beispiele zu den Themenfeldern werden vorgestellt.

Link zur Begleitforschung zum KfW-Programm 432: 

Link zum Energieatals.NRW zur Grundlagenermittlung:

Link zum SANDY-Projekt: Best-Practice und Instrumentensteckbriefe

3.2 Methodik der integrierten Konzeptentwicklung

Bei der Erstellung eines integrierten Quartierkonzepts gilt es viele Aspekte zu betrachten, die nicht nur technische Handlungsmöglichkeiten umfassen, sondern gleichzeitig auch die stadträumlichen, baukulturellen und soziodemografischen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Kommunale Gebäude, Flächen und Infrastruktur sollten gleichberechtigt zu privatem und privatwirtschaftlichem Bestand analysiert werden. Im Anschluss empfiehlt es sich, sowohl kommunale als auch private Projekte gleichzeitig zu realisieren, die sich gegenseitig positiv beeinflussen können. Erst damit ergibt sich ein vollständiges Bild als Grundlage für die Erstellung integrierter Projektempfehlungen für ein Quartier.

Die Checkliste stellt die notwendigen Arbeitsschritte und deren Inhalte dar. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass individuell geprüft werden muss, welche Daten für das jeweilige Quartier erforderlich sind bzw. ob alle Daten für das jeweilige Quartier zur Verfügung stehen. 

Weitere Informationen 

3.3 Schnittstellen zu verwandten kommunalen Strategien 

Ein Quartierskonzept ist nur dann sinnvoll und zielführend, wenn es über die Quartiersauswahl hinaus den lokalen Kontext berücksichtigt. Dazu zählt auch der strategische Kontext. Häufig liegen bereits informelle und formelle städtische gesamt- oder teilräumliche Strategien, Zielsetzungen und Konzepte mit Maßnahmenprogrammen und Projektempfehlungen vor, die sowohl für die Auswahl des Quartiers als auch bei der Ausarbeitung des Konzeptes zu berücksichtigen bzw. zu beachten sind.

3.4 Datenerhebungsbogen für integrierte Quartiersanalysen 

Für die Erstellung des Konzeptes bedarf es einer hochwertigen Datengrundlage. Hierzu muss ein Datenerhebungsbogen erstellt werden, der in der Kommune zur Abfrage bei den unterschiedlichen Akteuren genutzt wird. In diesem Excel-basierten Tool kann auch der Datenerhebungsstand festgehalten und damit für das Controlling genutzt werden. Als Basis für die Datenanfrage wird hier das Beispiel eines Datenerhebungsbogens bereitgestellt.

3.5 Muster-Projektsteckbriefe

Die Projektsteckbriefe sind ein elementarer Baustein für die im Anschluss an die Konzepterstellung beginnende Umsetzungsphase. Damit das Sanierungsmanagement mit der Umsetzung der Maßnahmen beginnen kann, bedarf es einer möglichst detaillierten Beschreibung der Handlungsschritte, der möglichen Verortung, der Projektpartner und der notwendigen Rahmenbedingungen.
Ein Beispiel eines sinnvollen Projektsteckbriefes finden Sie hier: