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5. Akteure gezielt beteiligen

Informelle Prozesse der Quartiersentwicklung sind ohne die umfangreiche und frühzeitige Beteiligung der Menschen vor Ort nicht nachhaltig erfolgreich – in diesem Punkt sind sich Fördergeber, externe Fachleute und kommunale Akteure mittlerweile einig. Doch wie kann eine gezielte, transparente und verbindliche Akteursbeteiligung gelingen? Wie lassen sich Gebäudeeigentümer, Mieter, Gewerbetreibende und weitere relevante Zielgruppen frühzeitig dazu motivieren, sich aktiv und konstruktiv in die integrierte Quartiersentwicklung einzubringen? Im ersten Schritt ist es notwendig, zu informieren und die Relevanz der integrierten Themen der Quartiersentwicklung für die Lebenswirklichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner des ausgewählten Quartiers zu verdeutlichen: Wie wirken sich Stadtraum und Wohnumfeld, Energie und Klimaschutz, Mobilität und Nahversorgung auf die Wohn- und Lebensqualität im Quartier aus, und welche Chancen und Möglichkeiten zur verbindlichen Teilhabe bietet die integrierte Konzeptentwicklung und spätere Umsetzung? Im Folgenden werden Rahmenbedingen, Abläufe, Formate und Werkzeuge für eine erfolgreiche Akteursbeteiligung im Quartier beschrieben und empfohlen.

5.1 Beteiligungsfahrplan – Ziele und Leitsätze definieren

Für eine erfolgversprechende Beteiligung – besonders in der Phase der Konzeptentwicklung – ist es hilfreich, im integrierten Projektteam zu Beginn des Prozesses inhaltliche und organisatorische Leitplanken zu definieren. Im Sinne eines Beteiligungsfahrplans sollten grundsätzliche Fragen beantwortet werden: Welches sind die kommunalen Ziele des Projekts, und welche Erwartungen gibt es an die Beteiligung? Welche Beteiligungsformate wurden im Quartier, aber auch gesamtkommunal bereits durchgeführt, und mit welchem Ergebnis? Gibt es positive Entwicklungen, aber auch negativ besetzte Themen im Quartier? Welche Ressourcen, Orte und Medien stehen zur Verfügung und können in der Bürgerbeteiligung genutzt werden? Ein Beteiligungsfahrplan ist keine starre Vorgabe, sondern vielmehr eine dynamische Arbeitshilfe.

Es ist sinnvoll, vorab auch verbindliche Leitsätze für den Charakter der Beteiligung zu formulieren und zu vereinbaren. Der folgende Abschnitt beschreibt solche Leitsätze bespielhaft – diese sollten je nach Rahmenbedingungen in Kommune und Quartier individuell angepasst, ergänzt und erweitert werden. Die inhaltlichen Leitsätze im Überblick:

Um die Bewohner der Quartiere für die aktive Teilhabe zu motivieren, ist es wichtig, die für sie bedeutsamen Motive und Themen zu identifizieren, um im positiven Sinne Betroffenheit auszulösen. Die Kernfrage: Was bewegt die Bewohner vor Ort in Bezug auf ihre Wohnsituation? Die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz allein sind häufig keine ausreichenden Zugpferde für die Aktivierung. Für die Beteiligung in der energetischen Quartierssanierung ist ein fachübergreifender Ansatz notwendig, der die Ziele und Motive der Akteure und Zielgruppen im Quartier berücksichtigt: Die Qualität des Wohnumfelds, die Identifikation mit dem Stadtteil, die Wohnqualität und der Werterhalt der eigenen Immobilie oder Sicherheit und Barrierefreiheit sind hingegen greifbare Themen mit Anziehungskraft. Es geht daher darum, in der Bürgerbeteiligung das Themenspektrum von der energetischen Sanierung hin zur Steigerung des Wohnwerts und der Lebensqualität zu erweitern und plausibel die Zusammenhänge zu vermitteln. Das heißt zu erkennen, welches die Themen vor Ort sind: Was läuft gut, was ist typisch für das Quartier, wo besteht Verbesserungspotenzial, wo liegen Entwicklungschancen? Mit dieser Erkenntnis wird die Grundlage geschaffen, Akteure mitzunehmen und sie zu motivieren, gemeinsam das lokale Verbesserungspotenzial zu heben und Entwicklungschancen zu nutzen. Um Mitstreiter zu finden, muss frühzeitig diese Motivlage im Quartier identifiziert werden.

Wohnqualität im Fokus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Es ist sinnvoll, den Schwerpunkt bei der Beteiligung auf veränderungsbereite Zielgruppen zu legen. Vorrangig werden dabei Menschen im Quartier angesprochen, die innovationsbereit und aufgeschlossen gegenüber Umwelt- und Klimaschutz sind oder sich aufgrund ihrer individuellen Lebensphase (Umzug, Familiengründung, Eintritt in das Rentenalter) verstärkt mit Veränderungen ihrer Wohnsituation beschäftigen. Diese machen als Zielgruppe zahlenmäßig oft nur einen kleinen Teil der Bewohner eines Quartiers aus (siehe folgende Abbildung), lassen sich aber gezielt zur Teilhabe und letztlich zu eigenen Investitionen motivieren. In der Umsetzungsphase können dann schrittweise auf Grundlage sichtbarer Projekterfolge weitere Zielgruppen aktiviert werden.

Grafik: Veränderer und Unterstützer suchen

Rasch sichtbare, positive Veränderungen im Quartier sind ein schlagkräftiger Erfolgsfaktor für die Bürgerbeteiligung und für die energetische Quartierserneuerung insgesamt. Über gute Beispiele „zum Anfassen“ und die Menschen dahinter lassen sich auch komplexe Themen eingängig kommunizieren und die lokale Eigeninitiative fördern. Zufriedene Sanierer im Quartier sind häufig sehr gute Multiplikatoren: Vorbildlich sanierte Gebäude, innovative Energieversorgungsanlagen oder die erste E-Ladesäule im Quartier sind nur einige Beispiele. Gleichzeitig geht es darum, Wertschätzung für das bereits Erreichte zu vermitteln. Aber auch Mitmachaktionen wie die gemeinsame, nachbarschaftliche Sanierung des Vereinsheims können den energetischen Erneuerungsprozess im Quartier beschleunigen. Solche nachbarschaftliche Aktionen stärken das Wir-Gefühl und das Quartier als Heimat und helfen letztlich, das Investitionsklima zu verbessern. Die Botschaft dahinter: Die Zukunftsfähigkeit des eigenen Wohnstandorts geht alle an und ist nicht nur Aufgabe der kommunalen Verwaltungen.

Pilothafte Ansätze der Sanierung, Versorgung mit erneuerbaren Energien oder auch der klimaschonenden Mobilität benötigen nicht nur aufgeschlossene Nutzer, sondern auch innovative gewerbliche Anbieter. Im Zuge der Beteiligung können solche Anbieter und potenzielle Nutzer zusammengebracht und individuelle Lösungen für das jeweilige Quartier entwickelt werden. Das Quartier wird zum Pilotraum für innovative Projekte und Lösungen – der Beteiligungsprozess stellt dabei sicher, dass dies im Einklang mit den kommunalen Zielen geschieht. Ein geeignetes Format sind Projektwerkstätten– insbesondere für die Umsetzungsphase.

5.2 Der Prozess – Den Kreis der Akteure schrittweise erweitern

Prozesse der energetischen Quartiersentwicklung starten häufig mit analytischen ersten Schritten der Datenerfassung und räumlicher Grundlagenerhebung. Die Ziele, mögliche Ergebnisse und letztendlich die konkreten Beteiligungs- und Sanierungsangebote sind zu Beginn des Prozesses noch nicht hinreichend geschärft. Oft gelingt es daher in dieser Prozessphase noch nicht, die Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere zur Teilnahme an Veranstaltungen und Beteiligungsformaten zu bewegen. Die wenigen lokalen Teilnehmer bleiben nach Informationsveranstaltungen oft etwas ratlos zurück, da die Relevanz des Themas und die eigenen Möglichkeiten und Chancen noch nicht klar werden.

Es ist daher empfehlenswert, die Beteiligung der lokalen Akteure und Zielgruppen schrittweise zu beginnen und – neben den kommunalen Projektmachern aus planender Verwaltung und Klimaschutzstellen – mit den relevanten Personenkreisen des Akteurskatasters zu starten. In geeigneten Werkstattformaten werden gemeinsame Ziele und Handlungsfelder definiert und erste Angebote und Lösungen erarbeitet – erst dann beginnt die Bürgerbeteiligung vor Ort mit dem Fokus auf konkreten Handlungsmöglichkeiten. Die Beispiele: Welche Sanierungs- und Energieversorgungsangebote sind zukünftig sinnvoll? Wie lässt sich bürgerschaftliches Engagement stärken und die Lebensqualität im Quartier verbessern? Welche Nahversorgungs- und Mobilitätsangebote braucht das Quartier?

Die ersten konzeptionellen Schritte in kleiner und fachlich geprägter Runde zu gehen, bedeutet jedoch nicht, die Ziele und Erfahrungen der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier zu ignorieren: Über die Einbindung bürgerschaftlicher Multiplikatoren in die Fachworkshops, frühzeitige Öffentlichkeitsarbeit und flankierende Formate der Bürgerbefragung lässt sich die breite und aktive Teilnahme der Bürgerschaft gezielt vorbereiten. Das Kapitel 5.4. „Zielgruppenspezifische Beteiligungsformate im Quartier“ empfiehlt Beteiligungsmöglichkeiten, die die individuellen Rahmenbedingungen in der jeweiligen Kommune und im Quartier sowie der Zielgruppen vor Ort berücksichtigen.

Die folgende Ablaufgrafik beschreibt das Prinzip der schrittweisen Beteiligung in der Konzeptphase.

Steinfurt Akteursbeteiligung

 

 

 

 

 

 

 

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5.3 Akteurskataster – Wer sind die relevanten Akteure im Quartier?

Schon vor den ersten Schritten des Förderantrags und der Konzeptentwicklung empfiehlt es sich, die relevanten Akteure im Quartier zu identifizieren sowie gezielt und frühzeitig einzubinden. Der Begriff des „Akteurs“ wird dabei bewusst von den späteren Zielgruppen des Konzepts differenziert: Akteure haben besondere Handlungsmöglichkeiten und spezifische Ziele und Motivationen bei der Stadt- und Quartiersentwicklung sowie eine besondere Multiplikatorenrolle und Sichtbarkeit im Quartier. Naheliegende Beispiele sind Unternehmen der Energieversorgung und Wohnungswirtschaft mit technischer Infrastruktur und Gebäudebeständen sowie Liegenschaften im Quartier. Auch die organisierte Bürgerschaft, Vereine, Gewerbetreibende, Initiativen und auch örtliche Institutionen wie beispielsweise Kirchen und Bildungseinrichtungen können eine zentrale Rolle spielen.

Ein praxisorientiertes Werkzeug zur frühzeitigen Identifikation und Einbindung ist ein Akteurskataster, welches die relevanten Unternehmen und Institutionen sowie deren Ansprechpartner benennt, nach grundlegenden Kategorien sortiert und im gesamten Prozess fortgeschrieben wird. Dabei kann ein Akteurskataster auch schrittweise um engagierte bürgerschaftliche Vertreter aus den Zielgruppen im Quartier erweitert werden, wenn diese motiviert und bereit sind, im Umsetzungsprozess eine sichtbare Rolle zu spielen.  

Ein Akteurskataster ist dabei mehr als eine bloße Kontaktliste, sondern dient dazu, die Akteurslandschaft im Quartier mit deren Zielen, Motiven und Handlungsmöglichkeiten im Prozess zu erfassen und zu einem schlagkräftigen Netzwerk für die Umsetzungsphase zu bündeln. Das Werkzeug erleichtert es so auch, mögliche Zielkonflikte im Quartier zwischen kommunalen, gewerblichen und bürgerschaftlichen Akteuren frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Es unterstützt darüber hinaus die Transparenz der Beteiligungsprozesse und hilft auch ganz praktisch bei der ressourcenschonenden Organisation und dem Management der Veranstaltungen.

Die Mustervorlage eines Akteurskatasters für die integrierte Quartierssanierung findet sich untenstehend zum Download. Das digitale Werkzeug beinhaltet die wichtigsten Akteursgruppen integrierter Quartiersentwicklungen und kann individuell erweitert und angepasst werden.

5.4 Zielgruppenspezifische Beteiligungsformate im Quartier

Zur Vorbereitung des Beteiligungsprozesses wird ein detailliertes Konzept für die Akteursbeteiligung als Beteiligungsfahrplan erarbeitet und verbindlich abgestimmt. Es enthält Empfehlungen zu Ablauf, Methodik, Zielgruppen, Veranstaltungsorten, alternativen Beteiligungsformaten und Rahmenprogramm und ist dynamische Planungsgrundlage für die öffentliche Beteiligung im Quartier. Das Konzept wird prozessbegleitend fortgeschrieben und angepasst. Auf Grundlage dieses Fahrplans lassen sich gezielte Bausteine und zielgruppenspezifische Beteiligungsformate auswählen. Die Bandbreite reicht dabei von Bürgerforen über Kreativworkshops und aufsuchende Beteiligung bis hin zu Mitmachaktionen und speziellen Formaten für Kinder und Jugendliche. Die Kernfragen bei der Auswahl: Welcher Baustein ist für welches Quartier und dessen Bewohner passend? Wie lassen sich Synergieeffekte nutzen (quartiersübergreifende und individuelle Veranstaltungen)? Wie lassen sich die Bausteine auf Grundlage des Beteiligungsfahrplan zu einer erfolgreichen Beteiligung im Quartier bündeln?

Die Arbeitshilfe zielgruppengerechte Beteiligungsformate (PDF) gibt Empfehlungen zur zielgruppenspezifischen Auswahl und Organisation von Veranstaltungen der Bürgerbeteiligung. Die Ziele der Beteiligung, die unterschiedlichen Zielgruppen sowie räumliche und personelle Rahmenbedingungen in der Kommune werden dabei berücksichtigt. Die Arbeitshilfe beschreibt die unterschiedlichen Beteiligungsformate detailliert und gibt Hilfestellungen zu deren Anwendung. Ausgewählte Formate im Überblick:

Ergänzend zu klassischen Beteiligungsformaten wie beispielsweise Infoveranstaltungen im Bürgersaal des örtlichen Rathauses werden individuelle und zielgruppenspezifische Angebote der aufsuchenden Beteiligung empfohlen: Das Team der Konzeptentwicklung ist in Kooperation mit städtischen Akteuren vor Ort auf Märkten, Events und öffentlichen Plätzen präsent und gibt den Bürgern aller Milieus und Altersgruppen die Möglichkeit, sich ohne großen Aufwand direkt vor Ort zu ihren Themen und Wünschen rund um die energetische Quartierssanierung zu äußern.

Um Schlüsselprojekte vorzubereiten und geeignete Projektpartner zu suchen, empfehlen sich Projektwerkstätten als geeignetes Format. Die Werkstätten richten sich an lokale und regionale Institutionen, Unternehmen, Start-ups und organisierte Akteure der Bürgergesellschaft, die Projekte und Projektideen zu quartiersrelevanten Themen gemeinsam weiterentwickeln möchten. Im moderierten Verfahren kann mit Methoden zur integrierten Projektkonkretisierung und der Geschäftsmodellentwicklung unterstützt werden. In den Projektwerkstätten geht es weniger um technische Lösungen, sondern vielmehr um die individuelle Umsetzung im Quartier und mögliche Betreibermodelle. Beispiele sind das verleihbare E-Lastenrad im Quartier, nachbarschaftliche Wärmeversorgungsmodelle oder auch Einkaufsgemeinschaften für Baumaterial.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit kann ein Ideenwettbewerb niedrigschwellige Möglichkeiten bieten, Ideen, Ziele und Wünsche für die zukünftige Entwicklung des Quartiers und der Kommune einzubringen. Das Format eignet sich besonders für die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendzentren im Quartier und darüber hinaus.

In ausgewählten Stadträumen und Orten mit erkennbar hohem Bedarf und Handlungspotenzial sollten kurzfristig umsetzbare Maßnahmen der aktivierenden Stadt- und Quartiersentwicklung gemeinsam mit der engagierten Bürgerschaft durchgeführt werden. Die Bandbreite kann von informativen Spaziergängen über nachbarschaftliche Sanierungs-, Pflanz- und Aufräumaktionen bis hin zur Gründung langfristiger Quartiersinitiativen oder Energiegenossenschaften reichen. Die Mitmachaktionen können bereits gemeinschaftlich im Zuge der Projektwerkstätten vorbereitet werden.

Flankierend zu der direkten Bürgerbeteiligung vor Ort können Onlinepanel- und Fokusgruppenbefragungen zu relevanten Themen der Stadt- und Quartiersentwicklung empfehlenswert sein. Dieses Werkzeug erlaubt es, die Diskussion um inhaltliche Schwerpunktthemen zu versachlichen, da eine vergleichsweise repräsentative Einschätzung der Bürgermeinung mit Berücksichtigung aller Zielgruppen möglich ist. Dies erfasst auch  ausgewählte Vertreter von Zielgruppen und Milieus, die sich von den klassischen Beteiligungsformaten nicht angesprochen fühlen.

5.5 Flankierende Projektkommunikation im Quartier – Medienstrategie

Die aktive Beteiligung im Quartier wird sinnvoll mit einer aktiven Medienarbeit flankiert. Erster Schritt ist es, frühzeitig gemeinsam mit den kommunalen Fachleuten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in wenigen Stichpunkten eine Medienstrategie zu formulieren. Die genannten Verantwortlichen der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit sind idealerweise – zumindest anlassbezogen – Teil des kommunalen integrierten Projektteams für die energetische Quartierserneuerung.

Diese Medienstrategie listet Beteiligungsveranstaltungen und den damit jeweils verbundenen Nachrichtenwert als visuellen Zeitplan auf, benennt Kommunikationsziele sowie Medienkanäle und dient als Leitfaden für die kommunale Pressearbeit rund um die energetische Quartierssanierung. Arbeitsschritte und Inhalte einer Medienstrategie für die Quartierssanierung im Überblick:

Vorbereitender Schritt ist der Aufbau eines Verteilers als Tabelle, der die für das Projekt relevanten regionalen und überregionalen Medien und Multiplikatoren sowie deren Ansprechpartner zusammenfasst und nach Relevanz für die Fachkommunikation und breite Öffentlichkeitsarbeit einordnet. Dieses Werkzeug erleichtert das zielgerichtete und rasche Verteilen von Kurznachrichten, Pressemitteilungen und weiteren Informationen zum Projekt. Es kann in das übergeordnete Akteurskataster integriert werden, um die Pflege und Fortschreibung zu vereinfachen.

Welche Meilensteine, Erkenntnisse und Themen aus der energetischen Quartiersentwicklung sind für die jeweilige Zielgruppe interessant? Welche Botschaften haben Aktualität und Nachrichtenwert? Solche Themen und Inhalte sollten durch das Projektteam im laufenden Prozess identifiziert und konsequent für Öffentlichkeitsarbeit und Projektkommunikation genutzt werden.

Bei der Identifikation von Botschaften mit Nachrichtenwert sollte auch ein Blick auf aktuelle regionale und bundesweite Themen und Trends mit Bezug zum Thema geworfen werden: Redakteure der Tagespresse veröffentlichen eine Pressemitteilung eher, wenn sie thematisch zur allgemeinen Interessenlage passt. Sinnvoll ist es, das Thema „Kommunikationsanlässe“ als laufenden Tagesordnungspunkt mit auf die Agenda der Projekttermine zu nehmen. Dabei ist es hilfreich, den lokalen Bezug zum Verbreitungsgebiet des jeweiligen Mediums herauszustellen und ein abstraktes, beispielsweise bundespolitisches Thema mit konkreten Projektbeispielen und den dahinter stehenden Menschen greifbar zu machen. Auch hier gilt: Lebensnahe Berichte wecken mehr Interesse als trockene Sachinformationen.

Die Auswahl von geeigneten Medien und Kanälen geschieht passend zur Botschaft und zur jeweiligen Zielgruppe und berücksichtigt auch die kommunalen Ressourcen der Kommunikation. Die Stellen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sollten anlassbezogen eingebunden werden – sie besitzen häufig eine präzise fachliche Einschätzung in Bezug auf die lokale Wirksamkeit und Reichweite der Kommunikationsmedien.

5.6 Best Practice: Erfolgreiche Beteiligungsprozesse 

Erfolgreiche Beteiligungsprozesse im Quartier zeichnen sich durch sichtbare Ergebnisse und einen langfristigen, durch die Akteure vor Ort getragenen Prozess aus, der auch nach Auslaufen einer finanziellen Förderung Bestand hat. Einige ausgewählte Beispiele im Überblick:

InnovationCity roll out: Ein breit angelegter Beteiligungsprozess und Wissenstransfer zum klimagerechten Stadtumbau für die teilnehmenden Quartiere im Ruhrgebiet.

http://www.icrollout.de/

Gelsenkirchen-Herten: Das interkommunale Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e. V. verzahnt seit 2012 eine langfristige Klimaschutzstrategie erfolgreich mit konkreten Beteiligungsschritten vor Ort.

https://www.gelsenkirchen-herten.de/

https://www.gelsenkirchen-herten.de/termine/

 

Bielefeld-Sennestadt: Ein integrierter Stadterneuerungsprozess für eine Modellsiedlung der Wirtschaftswunderzeit bündelt Bestandserneuerung und Neubau.

http://www.sennestadt-sanierungsmanagement.de/wirfuersie.html

https://www.sennestadt-gmbh.de/

Essen SüdOstHöfe: Das kommunale Wohnungsunternehmen Allbau nutzt in Essen die energetische Erneuerung als Ausgangspunkt, um einem Wohnquartier zu einem neuen Selbstwertgefühl zu verhelfen. Die Bewohner werden in einem transparenten Prozess mitgenommen. 

https://suedosthoefe.de/

Mülheim/Ruhr-Eichbaumsiedlung: In Heißen-Süd investiert die städtische Wohnungsgesellschaft langfristig in die Umstrukturierung einer Wohnsiedlung aus den 1960er Jahren und verbindet dabei energetische Sanierung mit spürbar mehr Wohnkomfort. Eine Pressemitteilung zum Projekt:

https://www.wir-wohnen-im-revier.de/index.php/aus-den-unternehmen/124-swb-150-mio-in-den-kommenden-5-jahren

 

Solinger Kompetenznetz für Ihre Gebäudemodernisierung: Das Solinger Kompetenznetz für Ihre Gebäudemodernisierung (So.Ko Gebäude) ist ein Zusammenschluss von qualifizierten Expertinnen und Experten aus den Bereichen Handwerk, Architektur, Ingenieur- und Planungswesen sowie Energieberatung aus Solingen. Ziel des Kompetenznetzes ist es, Gebäudeeigentümer in Solingen bei der energetischen Modernisierung Ihrer Gebäude zu unterstützen.

http://www.handwerksoffensive-energieeffizienz.de/artikel/solinger-kompetenznetzfuer-ihre-gebaeudemodernisierung-31,0,3436.html

 

Ausbau-Initiative Solarmetropole Ruhr: Mit 15 Pilot-Kommunen starten der Regionalverband Ruhr und das Handwerk Region Ruhr die Ausbau-Initiative Solarmetropole Ruhr. Beteiligt sind die Städte Essen, Dortmund, Oberhausen, Herne, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herten, Recklinghausen, Dorsten, Haltern am See, Hünxe, Xanten, Rheinberg, Kamp-Lintfort, Bönen. Gemeinsam wollen sie die erheblichen Potenziale für die Nutzung von Sonnenenergie erschließen. Durch ein umfangreiches Maßnahmen-, Kampagnen- und Beratungsprogramm soll die Bereitschaft der Haus- und Flächenbesitzer erhöht werden, Solaranlagen zu installieren. Die neue Webseite

www.solar.metropole.ruhr