Beirat für die niederdeutsche Sprache und Heimat

Landesgremium für Erhalt der niederdeutschen Sprache gegründet

Für den Erhalt der niederdeutschen Sprache, Kultur und Heimatpflege in Nordrhein-Westfalen gibt es ab sofort ein eigenes Landesgremium. Am 18. Juni 2019 hat erstmals der „Beirat für die niederdeutsche Sprache und Heimat“ getagt.

Der „Beirat für die niederdeutsche Sprache und Heimat“ vernetzt Engagierte, die ehren- und hauptamtlich für den Erhalt des Niederdeutschen tätig sind und soll Rahmenbedingungen dafür schaffen, um die Förderung des Niederdeutschen langfristig zu sichern.

Das Niederdeutsche ist Teil der Heimat in Nordrhein-Westfalen: Es prägt bis heute die Kultur und den Alltag vieler Menschen in Westfalen, Lippe und Teilen des Rheinlandes.

Dem Beirat für die niederdeutsche Sprache und Heimat gehören 18 Expertinnen und Experten aus den Bereichen niederdeutsche Sprachpflege, Wissenschaft, der bestehenden niederdeutschen Gremien und den beteiligten Landesministerien an. Die Federführung liegt beim Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung.

Dr. Jan Heinisch, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Nordrhein-Westfalen, begrüßte die Beiratsmitglieder in Düsseldorf. „Der neue Beirat drückt unsere Wertschätzung von sprachlicher Vielfalt in Nordrhein-Westfalen aus. Wir sind allen, die sich um die Pflege des Niederdeutschen verdient machen, höchst dankbar“, sagte Heinisch. In mehreren Ländern des niederdeutschen Sprachraums habe man bereits Beiräte für die niederdeutsche Sprache ins Leben gerufen, so etwa in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Auf Bundesebene existiere der Beratende Ausschuss für Fragen der niederdeutschen Sprachgruppe beim Bundesministerium des Innern.

Vorsitzender des neuen Gremiums ist Hans-Peter Boer, ehemaliger Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er begrüßte die Gründung des Beirates: „Gerade in der Verbindung von Kulturpolitik, Sprachwissenschaft und Heimatpflege werden wir erfolgreich sein! Up Platt: Laot’t Wiärks men gaohn! Lass die Sache mal ruhig laufen!“

Weitere Mitglieder des Beirates sind

  • Angela Lück MdL
  • Stephen Paul  MdL
  • Henning Rehbaum MdL
  • Norwich Rüße MdL
  • Karl Schultheis MdL
  • Heike Wermer MdL
  • Kay Holtgrewe, Staatskanzlei
  • Jan Lamontain, MKFFI
  • Beate Möllers, MKW
  • Arne Prasse, MSB
  • Ulrich Backmann, Westfälischer Heimatbund, Fachbereich Niederdeutsch
  • Markus Denkler, LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens
  • Christiane Ehlers, Niederdeutschsekretariat und Bundesraat för Nedderdütsch
  • Saskia Luther, Germanistin an der Universität Magdeburg und Sprecherin des Bundesraat för Nedderdütsch
  • Helmut Spiekermann, Germanistisches Institut der Universität Münster (Schwerpunkt Niederdeutsch)
  • Doris Tophinke, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn
  • Christoph Meinerz / Johannes Mehlitz, Stabsstelle Heimat MHKBG

Hintergrund:

  • Während die Begleitung des Beirats Niederdeutsch beim Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Nordrhein-Westfalen liegt, verbleibt die Koordinierung zur Umsetzung der Ziele der „Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ bei der Staatskanzlei.
  • Niederdeutsch verfügt über einen eigenen Wortschatz und eine eigene Grammatik und ist sprachgeschichtlich auf der Ebene der dänischen, schwedischen, norwegischen und niederländischen Sprachen eingeordnet. Niederdeutsch ist kein Dialekt, sondern eine eigenständige Sprache. Das sogenannte „Plattdeutsch“ ist für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen Teil ihrer kulturellen Identität, gerade in Westfalen-Lippe.
  • Niederdeutsch gehört zu den anerkannten Minderheitensprachen, die in der „Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ aufgenommen ist. Sie wurde vom Land Nordrhein-Westfalen in Teilen ratifiziert. Niederdeutsch ist in seinen unterschiedlichen regionalen Ausprägungen eine Sprache mit weltweit etwa 8 Millionen Sprechenden. Nach einer Studie des Instituts für niederdeutsche Sprache (Bremen) sprechen 11,8 Prozent aller Nordrhein-Westfalen gut bis sehr gut Plattdeutsch, weitere 12,7 Prozent „mäßig“.

Bildunterschrift:
Erste Reihe v. l. n. r.: Henning Rehbaum MdL, Heike Wermer MdL, Angela Lück MdL, Hans-Peter Boer; zweite Reihe: Beate Möllers, Stephen Paul MdL, Staatssekretär Dr. Jan Heinisch; dritte Reihe: Markus Denkler, Johannes Mehlitz, Saskia Luther, Ulrich Backmann, Kay Holtgrewe; hintere Reihe: Jan Lamontain, Helmut Spiekermann, Christoph Meinerz, Arne Prasse.