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Pressemitteilung

01.03.2017 | Pflege: Geplante Reform der Pflegeberufe wird Personalnotstand in der Altenpflege nicht verringern, sondern vergrößern

NRW-Pflegeministerin Barbara Steffens warnt erneut davor, die von der Bundesregierung geplante Reform der Pflegeberufe in der bisher geplanten Gesetzesfassung zu beschließen. „Diese Reform wird den Pflegenotstand gerade im Bereich der Altenpflege weiter verschärfen, anstatt hier Abhilfe zu schaffen. Wer das Gegenteil behauptet, spielt aus berufs-oder parteipolitischen Gründen mit der sichern Versorgung der älteren Menschen in unserem Land. Schon heute gibt es in vielen Bereichen der Altenpflege sowie der Krankenpflege einen Fachkräftemangel. Und dass, obwohl auch heute schon ausgebildete Krankenpflegefachkräfte in jedem Pflegeheim und bei jedem mobilen Pflegedienst ,mit Kusshand‘ empfangen würden und auch Altenpflegefachkräfte mit der heutigen Ausbildung in den Krankenhäusern beschäftigt werden

 

Aus dem Mangel in beiden Bereichen wird alleine durch eine Zusammenlegung nicht weniger Mangel, er kann sich lediglich zwischen den Bereichen verschieben.“

 

Steffens hält die konkret geplante Umsetzung der Berufe-Reform für gefährlich:

 

„Gerade in NRW haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie attraktiv die Ausbildung zur Altenpflegefachkraft ist. Denn seit Einführung einer Umlagefinanzierung ist es hier gelungen, die Ausbildungszahlen von rund  10.000 auf rund 18.300 zu erhöhen.

 

Der große Erfolg der NRW-Altenpflegeausbildung beruht vor allem darauf, dass die Ausbildungsbetriebe nicht mehr auf den Kosten der Ausbildung sitzen bleiben, sondern die Kosten vollständig auf alle Betriebe verteilt werden. Das will das neue Bundesgesetz ändern, so dass Ausbildung wieder zu einer Kostenbelastung für die Unternehmen und damit zu einem Wettbewerbsnachteil wird. Das gefährdet in NRW - nicht nur nach Einschätzung der Arbeitgeberverbände - massiv Ausbildungsplätze. Ich bin eigentlich nur noch fassungslos, wie beratungsresistent sich hier gerade die Bundesministerien zeigen, wo doch gerade Bundesgesundheitsminister Herman Gröhe selbst aus NRW kommt.

 

Aber auch die von vielen behauptete Unattraktivität der Altenpflegeausbildung ist vor dem Hintergrund dieser Ausbildungsplatzsteigerungen ein Märchen.  Dagegen stagnieren die Ausbildungszahlen in der angeblich viel attraktiveren Krankenpflege seit Jahren trotz einer ausreichenden Zahl (auch unbesetzter) Ausbildungsplätze. Die Wahrheit ist, dass sich viele ganz bewusst für die Altenpflegeausbildung entscheiden. Diese Menschen kommen heute in der Krankenpflegeausbildung nicht an und wie eine Studie des BIPP* gezeigt hat, werden sie auch vor einer generalistischen Ausbildung eher zurückschrecken. Damit geht uns ein riesiges Potential an jungen Menschen verloren, die heute mit einer abgeschlossenen Altenpflegeausbildung hoch qualifizierte Fachkräfte in der Altenpflege werden und hier eine sichere berufliche Zukunft haben. Auf diese Menschen zu verzichten oder sie in weniger qualifizierte und schlechter bezahlte Helferjobs abzudrängen, wäre mehr als fahrlässig.“

 

Mit ihrer Kritik spricht sich Steffens keinesfalls generell gegen eine Weiterentwicklung der Pflegeberufe aus. „Ich bin absolut für ein Stärkung der Pflegeberufe! Es liegen seit Monaten viele gute Änderungsanträge und praktikable Vorschläge auf dem Tisch, wie man die Pflegeberufe und ihre Kompetenzen weiterentwickeln kann. Mehr gemeinsame Ausbildungsinhalte, mehr berufliche Flexibilität und bessere Aufstiegsmöglichkeiten für die Beschäftigten. All das ist aber möglich, ohne unvorhersehbare Risiken für die pflegerische Versorgung zu verursachen.“

 

Info:

*Bundesinstitut für Berufsbildung „Attraktivitätssteigerung durch Reform der Pflegeberufe?- Hinweise aus einer Schülerbefragung“ (https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/8031)


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