Symbolfoto Digitales Bauen
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Digitales Bauen

Die Landesregierung will digitales Bauen vorantreiben. Denn Digital trifft immer noch zu oft auf Analog: Das soll sich in Zukunft ändern.

Bau

Bauportal für Nordrhein-Westfalen

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen hat das Bauportal.NRW entwickelt. Auf der Internetseite www.bauportal.nrw können Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure ab sofort zielgruppengerecht alle Informationen rund um das Baugenehmigungsverfahren und verwandte Verwaltungsleistungen finden.

Zu oft trifft digital noch auf analog. Dies verlangsamt oftmals den gesamten Bauprozess. Wohnen ist elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger. Deshalb verbessert die Landesregierungen die Rahmenbedingungen für das Bauen. Das digitale Baugenehmigungsverfahren ist ein wichtiger Bestandteil davon.

 

Umfassender Service 

Das Bauportal.NRW bietet Service, der kontinuierlich ausgebaut wird. Auf dem Portal finden sich Informationen über den Ablauf eines Baugenehmigungsverfahrens, die Zuständigkeiten sowie einschlägige Begrifflichkeiten, Rechtsvorschriften sowie alle wichtigen Erlasse, Hinweise, Empfehlungen und Merkblätter der obersten Bauaufsichtsbehörde ebenso wie alle amtlichen Formulare und Vordrucke. Darüber hinaus bietet das Portal grundlegende Informationen zur Bauleitplanung und verlinkt zu den online verfügbaren Bauleitplänen der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen.

 

Bauanträge digital übermitteln 

In der 2. Jahreshälfte 2020 wird das Bauportal um einen Antrags- und Dokumentenassistenten ergänzt. Der Antragsassistent startet zunächst mit dem einfachen Baugenehmigungsverfahren nach Paragraph 64 der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen 2018. Weitere Antragsverfahren werden im Laufe des Jahres 2020 entwickelt und zur Nutzung freigegeben. Mithilfe des Assistenten können Bauanträge und weitere Unterlagen komplett digital an die zuständige Bauaufsichtsbehörde übermittelt werden, wenn sich diese an das Bauportal angeschlossen hat. Die Kommunen entscheiden entsprechend ihrer Möglichkeiten, ob und wie sie für Ihren Zuständigkeitsbereich eine Antragsstellung über das Bauportal.NRW ermöglichen werden.

In einer ersten Projektphase hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung zusammen mit sechs Kommunen im Juni 2018 das Modellprojekt „Digitales Baugenehmigungsverfahren in Nordrhein-Westfalen“ gestartet. Ziel des Projekts: Die insgesamt 212 unteren Bauaufsichtsbehörden in Nordrhein-Westfalen bei der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Digitalisierung des Baugenehmigungsverfahrens zu unterstützen und einen Standardprozess zu erarbeiten. Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist nun die Initiierung des Bauportals.

Die Landesregierung fördert digitales Bauen

Über kürzere Planungs- und Bauzeiten, bis hin zur schnelleren Realisierung: Die Digitalisierung birgt für Bauprojekte ein hohes Potential. Auch im Gebäudebestand hilft digitales Bauen dabei, Prozesse zu optimieren, transparenter zu gestalten und damit letztlich Kosten zu senken. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung will die Digitalisierung zielgerichtet vorantreiben und verantwortlich mitgestalten.

Mein Ministerium wird [...] die Städte und Gemeinden bei dem Auf- und Ausbau zeitgemäßer Systeme zur Einreichung von Bauanträgen in digitaler Form unterstützen. Denn: Zu oft trifft digital auf analog. Dies verlangsamt oftmals den gesamten Bauprozess. Deshalb gilt: Wir brauchen die Beschleunigung vom Start bis zum Ziel.
Ministerin Ina Scharrenbach zur Düsseldorfer Erklärung

Beim Hoch- und Tiefbau trägt die Digitalisierung zur Produktivitätssteigerung der Planungs- und Baubranche aber auch zur Steigerung der Nachhaltigkeit des Bauens und Bewirtschaftens von Immobilien bei. Für den Baubereich kommt dabei dem Building Information Modeling (BIM) eine zentrale Rolle zu.

Daneben können durch Digitalisierung auch Verwaltungsprozesse via Digitale Baugenehmigungen beschleunigt sowie Daten zur Digitalen Baukostenplanung zentral auf Landesebene gesammelt und zur Verfügung gestellt werden.

Initiativen zur Digitalisierung des Bauens

Building Information Modeling (BIM)
Miniaturbild
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BIM ist eine ganzheitliche Methode des Planens, Bauens und Betreibens u.a. von Bauwerken. Sie zeichnet sich durch umfassende digitale Vernetzung aller für Planung, Realisierung und Betrieb relevanter Bauwerksdaten und der Zusammenführung von Fachmodellen unterschiedlicher Fachdisziplinen in einem gemeinsamen virtuellen Bauwerksdatenmodell aus. Die Verzahnung der digitalen Modelle und die effiziente Nutzung der entstandenen Informationen unterstützen Prozesse rund um die Projektabwicklung, erhöhen deren Transparenz für alle Projektbeteiligten und fördern zudem die fachübergreifende Kommunikation (BIManagement).

Definition:
„Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“ (Zitat Stufenplan Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur)

Daneben werden alle am Bau Beteiligten über BIM digital vernetzt. So wird eine umfassende, weitsichtige und integrierte Arbeitsweise ermöglicht.

Im Rahmen von Bauabläufen helfen planungsbegleitende Simulationen dabei, Kosten und Termine realistischer zu bewerten und mögliche Fehlplanungen noch vor der Umsetzung zu beseitigen. Beim Einsatz im Gebäudebestand kann ein digitales Gebäudemodell auf der Basis eines bereits vorhandenen Gebäudes erstellt werden. Mit diesen Daten ist es möglich, die Gebäudebewirtschaftung aber auch Modernisierungen und Instandsetzungen digital durchzuführen. BIM hilft, Klarheit über Umbau- oder Modernisierungskosten und die dafür notwendige Zeit zu schaffen.

 

BIM CC Logo

BIM-Competence-Center (BIM-CC)

Bei der Einführung des Building Information Modeling (BIM) nimmt Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle ein. Als erstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen die Einführung der BIM-Methode in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Hierfür wurde im MHKBG das BIM-Competence-Center (BIM-CC) eingerichtet, um als neutraler Unterstützer den inhaltlichen Dialog im Land Nordrhein-Westfalen zwischen allen Beteiligten zu befördern und als Impulsgeber und Koordinator zu wirken.

Der Wissens- und Informationstransfer sowie die Vernetzung aller wesentlichen Akteure sind für die BIM-Implementierung in Nordrhein-Westfalen von zentraler Bedeutung. Im gemeinsamen Dialog und regelmäßigen Austausch mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft werden die im Land vorhandenen Kompetenzen vernetzt, das Wissen zusammengeführt und ein wissenschaftlich gestützter Diskurs über die Gestaltung der digitalen Transformation im Baubereich geführt.

 

Digitalkonferenz im Ministerium

Die Voraussetzung für den Einsatz zukunftsorientierter, digitaler Technologien in Nordrein-Westfalen ist das gemeinsame Arbeiten von Experten aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Hochschulen. Zur Unterstützung dessen und zur Vernetzung aller Akteure, fand auf Einladung von Frau Bauministerin Ina Scharrenbach im Juli 2019 eine Digitalkonferenz im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung statt – ein Arbeitstreffen mit intensivem Austausch zur Planung einer effektiven Umsetzung der digitalen Verfahren beim Bauen in Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt des Wissens- und Informationsaustausches standen drei Workshops. Darin wurden unter anderem der BIM-Referenzprozess sowie die Möglichkeiten zur Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich BIM thematisiert. Auch die Auswirkungen von Digitalisierung und Robotik auf die Planungs- und Baukultur im Land wurde von den Teilnehmenden hinterfragt und mit Blick auf die Verantwortung staatlichen Handelns diskutiert. In den Workshops wurde gemeinsam begonnen, abgestimmte Handlungsempfehlungen für öffentliche Bauherren und Bewirtschafter, sowie konzeptionelle Grundlagen für einen Qualifizierungsleitfaden in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln. Die Zusammenarbeit geht weiter, die Ergebnisse werden nun in weiteren Expertenrunden vertieft.

 

BIM Innovationspreis

Innovationen im Bauwesen sind mehr als die reine Umsetzung der BIM-Methodik. Sie können auf BIM Modelle aufbauen und erweitern diese über den aktuellen Stand der Technik sowie Entwicklung hinaus. Sie schaffen neue Geschäftsmodelle im Bauwesen. Innovationen im Bauwesen können hochgradig disruptiv sein. Dieses bedeutet, dass sie die Eigenschaft haben, gewohnte Prozesse und Vorgänge umzugestalten und zu ersetzen, aber auch neue Werte zu erschaffen. Es ist wichtig, Innovationen im Land anzuerkennen und zu behalten.

Der Innovationspreis soll dieses unterstützen und eine Plattform schaffen, um Innovationen aus NRW in die Öffentlichkeit zu transportieren. Weitere Informationen werden an dieser Stelle veröffentlicht.

 

Unterstützung von Forschungsvorhaben

Um das digitale Bauen voranzutreiben, unterstützt das Ministerium das Forschungsprojekt „Living Lab Gebäudeperformance“ der Bergischen Universität Wuppertal mit rund 500.000 Euro. Die Mittel werden durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ergänzt. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, durch Informationsvernetzung und Überprüfung von Gebäudequalitäten einen effektiven und nachhaltigen Gebäudebetrieb zu erreichen. Ausgelegt ist das Projekt für drei Jahre. Die Forschungsarbeit der Bergischen Universität basiert zu einem großen Teil auf der Anwendung von BIM.

Digitale Baugenehmigungen
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Wie komplex ist das Bauvorhaben? Wie ist die personelle Ausstattung im Bauamt? Wie schnell legen die weiteren Beteiligten relevante Dokumente vor? Es hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, wie zügig eine Baugenehmigung erteilt werden kann. Dieses Verfahren mit Hilfe von Digitalisierung zu beschleunigen, ist ein wichtiger Baustein für ein "Klima für Neubau". Auch wenn dadurch die Prüfung durch das Fachpersonal nicht ersetzen wird: Dort, wo standardisiert Daten abgefragt und geprüft werden, kann es deutliche Erleichterungen bringen. Richtig umgesetzt, werden so Verwaltungsverfahren beschleunigt und optimiert sowie die Servicequalität erhöht – ob für private Bauherren oder Architekturbüros.

 

Pilotprojekt "Digitale Baugenehmigungen"

Damit Kommunen Bauanträge schneller bearbeiten können, hat das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung das Projekt „Digitale Baugenehmigungen“ gestartet. Ministerin Ina Scharrenbach hat mit den Repräsentanten von sechs Modellkommunen eine Vereinbarung unterzeichnet (siehe Foto), die das weitere Verfahren bis 2021 vorgibt. Die Gemeinden, Städte und Kreise beteiligen sich freiwillig – also ohne finanzielle Unterstützung des Landes – am Modellprojekt, weil sie auf Fortschritte bei der Bearbeitung von Bauanträgen setzen. Mit dabei sind die Kreise Gütersloh und Warendorf und die Städte Dortmund, Ennepetal, Köln und Xanten. Ziel des Projekts: die insgesamt 212 unteren Bauaufsichtsbehörden in Nordrhein-Westfalen bei der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Digitalisierung des Baugenehmigungsverfahrens zu unterstützen und einen Standardprozess zu erarbeiten.

Weitere Informationen

Digitale Baukostenplanung
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Foto: © qu-int.com

Digitale Baukostenplanung umfasst die durch digitale und vernetzte Prozesse gestützte Sammlung, Aufbereitung und Verwendung von Daten. Dieser Prozess begleitet und überschreitet jede Einzelbaumaßnahme und zielt auf die stetige Verbesserung der Kostensicherheit für zukünftige Planungen.

Die zentrale Erfassung und Auswertung von Planungs- und Kostendaten der Länder erfolgt durch die Informationsstelle für Wirtschaftliches Bauen (IWB) in Freiburg, die als Dienstleister im Auftrag der Bauministerkonferenz tätig ist. Die Datenauswertung mittels digitaler Methoden ermöglicht die Entwicklung von Kenndaten und Softwarelösungen zur frühzeitigen Ermittlung von Baukosten und zum Benchmarking von Baunutzungskosten. Für die Bauverwaltungen der Länder ist die kennwertbasierte Kostenermittlung zu einem unverzichtbaren und verlässlichen Planungsinstrument geworden.

In Nordrhein-Westfalen sind derzeit die DV-Produkte PLAKODA und RBK Neubau im Einsatz. Die Bereitstellung und Implementierung der Programmsysteme ebenso wie die Einführung der jährlich aktualisierten BMK-Orientierungswerte für Hochschulgebäude in die Landesverwaltung liegt in der Verantwortung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung.

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