Hilfe für Männer

Unterstützung für Männer

Erstmals wird Gewalt gegen Jungen und Männer umfassend in den Blick genommen, um ihre Situation zu verbessern.

Nicht nur Frauen werden Opfer von häuslicher Gewalt. Auch Jungen und Männer sind betroffen, allerdings gibt es für männliche Opfer nur eine punktuelle Hilfeinfrastruktur sowie kaum gesicherte Erkenntnisse über das Ausmaß der Betroffenen. Gewalt gegen Männer findet gesellschaftlich wenig Beachtung und wird oft von den Betroffenen verschwiegen.

Hilfetelefon Gewalt an Männern

Als erste Bausteine zur Errichtung der Unterstützungsstruktur hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Bundesland Bayern ein Hilfetelefon Gewalt an Männern ins Leben gerufen. Unter der Nummer 0800 123 99 00 können sich Männer melden, die von verschiedenen Arten von Gewalt betroffen sind – wie häuslicher und sexualisierter Gewalt, aber auch beispielsweise Stalking oder Zwangsheirat. Zusätzlich finden Betroffene auf der Internetseite www.maennerhilfetelefon.de ein digitales Beratungsangebot.

„Mann: Wähle Schutz!" Das Hilfetelefon ist deutschlandweit in dieser Form das einzige und erste Beratungsangebot für gewaltbetroffene Männer. Das Thema findet in unserer Gesellschaft immer noch wenig Beachtung. 

Mehr Informationen dazu hier.

Schutzwohnungen "Freiraum"

Insgesamt stehen 16 Plätze an vier Standorten (Düsseldorf, Großraum Aachen, Münsterland und Köln) für Männer, die Opfer häuslicher Gewalt geworden oder in einer akuten Bedrohungssituation sind, als sichere Wohnmöglichkeit bereit.

Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und SBTTI

Die Landesregierung arbeitet an der Erstellung eines Landesaktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und SBTTI (LAP). Ziel des Landesaktionsplans ist es, Maßnahmen zur Prävention und nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und SBTTI zu beschreiben und Impulse zur Schaffung von Rahmenbedingungen zu setzen, die umfassenden Schutz und eine bedarfsgerechte Unterstützung von Betroffenen gewährleisten.

Gegenstand des zu erarbeitenden Landesaktionsplans sind verschiedene Formen von Gewalt. Darunter fallen häusliche Gewalt, Zwangsheirat, sexualisierte, psychische und physische Gewalt sowie Hasskriminalität oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie auch weitere Gewaltformen wie Cybergewalt und Gewalt in der Pflege. Ebenso soll das Thema Gewalt in der Öffentlichkeit und im Freizeitbereich, beispielsweise in der Fußballszene betrachtet werden. Homo- und transfeindlich motivierte Gewalt gegen SBTTI ist in allen Bereichen zu berücksichtigen.

Das Ministerium für Heimat, Kommunales Bau und Gleichstellung hat hierzu Gespräche mit verschiedenen Einrichtungen und Akteurinnen und Akteuren im Bereich der Männerarbeit geführt, beispielsweise mit dem „hexenHaus" in Espelkamp, der Männerschutzeinrichtung Dresden, dem Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Köln, dem Bundesforum Männer, dem Zartbitter Münster e.V., der Caritas Münster, der Sozialberatung Stuttgart e.V. und anderen. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden in den LAP mit einfließen.

Mit Hilfe der Daten aus dem Viktimisierungssurvey und den Informationen aus den geführten Gesprächen wird der LAP erstellt, der dieses Jahr dem Landtag vorgelegt werden soll. Thematisch betroffene Ressorts der Landesregierung und externe Akteurinnen und Akteure, wie beispielsweise Männer-, Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen, Interventions- und Koordinierungsstellen, Opferschutzbeauftragte der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Freie Wohlfahrtsverbände und weitere relevante Netzwerkpartnerinnen und -partner wie beispielsweise die LAG Jungenarbeit und aus der SBTTI-Community, werden in Form von Arbeitsgruppen in den Entstehungsprozess des LAP eingebunden.

Dunkelfeldstudie

Immer noch werden Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt nur zu einem Teil tatsächlich zur Anzeige gebracht. Die Landesregierung hat sich frühzeitig darauf verständigt, eine Studie mit dem Ziel durchzuführen, die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik um Erkenntnisse zur Opfererfahrungen, Sicherheitsempfinden und Kriminalitätsfurcht zu ergänzen und so auch Aussagen zu Jungen und Männern zu erhalten. Dazu haben das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, das Ministerium des Innern und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen  2019/2020 eine Dunkelfeldstudie durchgeführt. Mehr Informationen dazu hier.

Koordinierung der Bekämpfung von Gewalt gegen Männer und Frauen

Im Juli 2018 wurde die „Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männer" eingerichtet. Deren Aufgabe ist es im Besonderen, einen behörden- und institutionenübergreifenden Erfahrungs- und Informationsaustausch zu organisieren und zu moderieren sowie die Umsetzung der Landesaktionspläne fachlich zu begleiten. Die Landeskoordinierungsstelle fungiert zugleich als Bindeglied zu den in Nordrhein-Westfalen tätigen Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt, die durch ihren pro-aktiven Ansatz zeitnah nach einem Polizeieinsatz den betroffenen Opfern ein Beratungsangebot unterbreiten.