Dunkelfeldstudie zu Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer

Dunkelfeldstudie zu Gewalt

Erstmals wird Nordrhein-Westfalen eine Dunkelfeldstudie zu Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer durchgeführt.

Die repräsentative Befragung „Sicherheit und Gewalt in Nordrhein-Westfalen“ soll Ergebnisse über Gewaltkriminalität – unabhängig vom Anzeigeverhalten der Opfer oder späteren Strafverfahren – liefern und das Sicherheitsempfinden in Nordrhein-Westfalen erfassen.

Ministerin Ina Scharrenbach: „Seit den widerwärtigen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 und meiner Arbeit im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss habe ich mich dafür stark gemacht, dass auch in Nordrhein-Westfalen eine Studie durchgeführt wird, die das Dunkelfeld bei Gewalt gegen Mädchen und Frauen erhellt. Unverändert ist es so, dass viele Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Und wir wollen wissen, warum. Ziel ist es, mit den gewonnenen Erkenntnissen die vorhandenen Angebote weiterzuentwickeln und auszubauen. Dabei wird die nordrhein-westfälische Landesregierung – bundesweit einmalig – auch Gewalt gegen Jungen und Männer zum Gegenstand einer Befragung machen.“

Minister Herbert Reul: „Sicherheit ist nicht nur ein Fakt, sondern auch ein Gefühl. Wir können nicht alles mit Zahlen und Fakten erfassen, sondern müssen auch darauf hören, was die Menschen empfinden. Deshalb wollen wir durch die Bürgerbefragung erfahren, wann und wie sich die Leute sicher fühlen, aber auch, wann sie sich eben nicht sicher gefühlt haben, vielleicht sogar Opfer von Gewalt geworden sind und sich nicht an die Polizei gewendet haben. Die Ergebnisse können uns am Ende helfen, das Dunkelfeld der Kriminalität zu erhellen und unsere Arbeit und die Sicherheit des Landes weiter zu verbessern.“

Fragen und Antworten zum Start der Dunkelfeldstudie

Was ist das Ziel der Dunkelfeldstudie?

Mit der Studie soll das Phänomen Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Jungen und Männer erstmals in Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich fundiert und umfassend abgebildet werden. Ziel ist es, mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse präventive Maßnahmen und psychosoziale Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und Männer gezielt weiterzuentwickeln.

Worum geht es bei der Befragung?

Bei der Befragung (fachsprachlich Viktimisierungssurvey) geht es darum, dass Sicherheitsempfinden der Befragten zu ermitteln, also zu hinterfragen, wie sicher sich die befragten Personen sowohl in ihrem Umfeld als auch im öffentlichen Raum fühlen. Darüber hinaus werden in einem Fragenblock die jeweiligen Erfahrungen mit Gewaltkriminalität abgefragt - unabhängig vom Anzeigeverhalten der Opfer und einer späteren Strafverfolgung.

Welchen Mehrwert bietet die Befragung?

Grundlage für die Bewertung der Kriminalitätslage in Nordrhein-Westfalen ist die bundesweit nach einheitlichen Kriterien erstellte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). In der PKS werden die der Polizei bekannt gewordenen Straftaten einschließlich der Versuche sowie die ermittelten Tatverdächtigen erfasst. Die PKS bildet damit das sogenannte Hellfeld an Straftaten wie z.B. zu Gewaltkriminalität ab. Es ist jedoch anzunehmen, dass es Fälle von Gewalt gibt, von denen die Polizei keine Kenntnis erlangt (sogenanntes Dunkelfeld). Neben den aktenkundig gewordenen Straftaten können mit der Befragung somit auch nicht bekannt gewordene Gewalttaten ermittelt werden. Deshalb wird diese Studie auch häufig kurz als „Dunkelfeldstudie“ bezeichnet, obwohl die Ergebnisse über das Dunkelfeld tatsächlich nur eine Teilmenge des erhofften Erkenntnisgewinns ausmachen werden.

Wer führt die Befragung durch?

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) führt im Auftrag des Ministeriums des Innern Nordrhein- Westfalen (IM) und des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG) im Jahr 2019 die Befragung durch. Die Durchführung übernimmt das Unternehmen „infas - Institut für angewandte Sozialwissenschaft“.

Wer wird befragt?

Befragt werden sollen 60 000 Personen im Alter über 16 Jahren mit Haupt-wohnsitz in Nordrhein-Westfalen. Die Befragung wird schriftlich-postalisch mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt. Hierzu werden 81 (Ober-) Bürgermeisterinnen und (Ober-) Bürgermeister der für die Befragung ausgewählten Kommunen über die geplante Studie mit einem Schreiben von Ministerin Scharrenbach und Minister Reul informiert. Zudem werden die Einwohnermeldeämter der ausgewählten Kommunen von dem beauftragten Umfrageinstitut „infas“ um eine repräsentative Stichprobenauswahl aus den Melderegistern gebeten. Die Auswahl der Befragten erfolgt nach dem Zufallsprinzip durch eine so genannte Stichprobenziehung bei den Meldeämtern.

Wie läuft die Befragung ab?

Die Befragung erfolgt schriftlich/postalisch mithilfe eines umfangreichen Fra-gebogens. In einem ersten Schritt werden die Bürgerinnen und Bürger darüber informiert, dass sie für diese Studie ausgewählt wurden. Kurz danach erhalten die Personen mit einem weiteren Anschreiben einen Fragebogen mit einem frankierten Briefumschlag für die Rücksendung. Den Befragten wird selbstverständlich die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes garantiert. Alle Angaben der Befragten werden streng vertraulich behandelt und ausschließlich ohne Namen und Adresse ausgewertet. Den ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern wird die Möglichkeit gegeben, sich bei Rückfragen zum Fragebogen oder zur Studie telefonisch über eine kostenlose Rufnummer oder per E-Mail zu erkundigen. Die Erreichbarkeiten werden den Bürgerinnen und Bürgern bei der Kontaktierung mitgeteilt.

Wie ist der Zeitplan?

Nach derzeitigem Planungsstand werden die Kommunen voraussichtlich noch im Januar 2019 angeschrieben  und um Zulieferung von Adresslisten gebeten, die im Rahmen der Stichprobenziehung ermittelt werden. Hierfür ist eine Zeitspanne von maximal sechs Monaten eingeplant. Nach Eingang der Adressen beginnt die eigentliche Hauptstudie mit einem Anschreiben an die ausgewählten Bürgerinnen und Bürger und dem Versand der Fragebögen. Die Rückläufe der Fragebögen werden sukzessive ausgewertet. Mit den Ergebnissen aus der Befragung ist im Frühjahr 2020 zu rechnen.

Was kostet die Studie?

Die einkalkulierten Kosten für die Studie belaufen sich auf rund  500.000 Euro.

In welchen Kommunen wird die Befragung durchgeführt?

In folgenden 81 Kommunen werden Bürgerinnen und Bürger befragt:  Düsseldorf, Duisburg, Essen, Krefeld, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Remscheid, Solingen, Wuppertal, Straelen, Kevelaer, Erkrath, Velbert, Jüchen, Dormagen, Neuss, Nettetal, Viersen, Kamp-Lintfort, Wesel, Bonn, Köln, Leverkusen, Würselen, Aachen, Merzenich, Bedburg, Pulheim, Frechen, Zülpich, Erkelenz, Engelskirchen, Radevormwald, Leichlingen, Bergisch Gladbach, Hennef, Rheinbach, Troisdorf, Bottrop, Gelsenkirchen, Münster, Stadtlohn, Bocholt, Dülmen, Marl, Dorsten, Recklinghausen, Metelen, Rheine, Oelde, Bielefeld, Langenberg, Rietberg, Kirchlengern, Herford, Bad Driburg, Dörentrup, Bad Salzuflen, Rahden, Espelkamp, Bad Lippspringe, Paderborn, Bochum, Dortmund, Hagen, Hamm, Herne, Schwelm, Hattingen, Sundern, Altena, Meinerzhagen, Lüdenscheid, Lennestadt, Bad Berleburg, Möhnesee, Lippstadt, Werne, Lünen, Steinfurt.