Hilfe für Männer

Hilfe für Männer

Erstmals wird Gewalt gegen Jungen und Männer umfassend in den Blick genommen, um ihre Situation zu verbessern.

Nicht nur Frauen werden Opfer von häuslicher Gewalt. Auch Jungen und Männer sind betroffen, allerdings gibt es für männliche Opfer nur ein punktuelle Hilfeinfrastruktur sowie kaum gesicherte Erkenntnisse über das Ausmaß der Betroffenen. Gewalt gegen Männer findet gesellschaftlich wenig Beachtung und wird oft von den Betroffenen verschwiegen.

Deshalb nimmt erstmals in Nordrhein-Westfalen eine Landesregierung die Situation von Gewalt betroffenen Jungen und Männern sowie Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) umfassend in den Blick. Mit gezielten Initiativen soll die Situation von Betroffenen verbessert werden. Dazu erstellt die Landesregierung einen Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI. Ziel des Landesaktionsplans ist es, Maßnahmen zur Prävention und nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI zu beschreiben und Impulse zur Schaffung von Rahmenbedingungen zu setzen, die umfassenden Schutz und eine bedarfsgerechte Unterstützung von Betroffenen gewährleisten. Der Landesaktionsplan soll 2021 dem Landtag vorgelegt werden. Zur Entwicklung und Durchführung der Initiativen zum Schutz von Jungen und Männern vor Gewalt sind im Landeshaushalt 2018 und 2019 jeweils 100.000 Euro veranschlagt.

Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI

Die Landesregierung arbeitet an der Erstellung eines Landesaktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI. Ziel des Landesaktionsplans ist es, Maßnahmen zur Prävention und nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI zu beschreiben und Impulse zur Schaffung von Rahmenbedingungen zu setzen, die umfassenden Schutz und eine bedarfsgerechte Unterstützung von Betroffenen gewährleisten.

Gegenstand des zu erarbeitenden Landesaktionsplans sind verschiedene Formen von Gewalt. Darunter fallen häusliche Gewalt, Zwangsheirat, sexuaiisierte, psychische und physische Gewalt sowie Hasskriminalität oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wie auch weitere Gewaltformen wie Cybergewalt und Gewalt in der Pflege. Ebenso soll das Thema Gewalt in der Öffentlichkeit und im Freizeitbereich, beispielsweise in der Fußballszene betrachtet werden. Homo- und transfeindlich motivierte Gewalt gegen LSBTTI ist in allen Bereichen zu berücksichtigen.

Das Ministerium für Heimat, Kommunales Bau und Gleichstellung hat hierzu bereits Gespräche mit verschiedenen Einrichtungen und Akteurinnen und Akteuren im Bereich der Männerarbeit geführt, beispielsweise mit dem „hexenHaus" in Espelkamp, der Männerschutzeinrichtung Dresden, dem Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Köln, dem Bundesforum Männer, dem Zartbitter Münster e.V., der Caritas Münster, der Sozialberatung Stuttgart e.V. und anderen. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden in den LAR mit einfließen.

Mit Hilfe der Daten aus dem Viktimisierungssurvey und den Informationen aus den geführten Gesprächen wird der LAR erstellt und soll 2021 dem Landtag vorgelegt werden. Thematisch betroffene Ressorts der Landesregierung und externe Akteurinnen und Akteure, wie beispielsweise Männer-, Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen, Interventions- und Koordinierungsstellen, Opferschutzbeauftragte der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Freie Wohlfahrtsverbände und weitere relevante Netzwerkpartnerinnen und -partner wie beispielsweise die LAG Jungenarbeit und aus der LSBTTI-Community, werden in Form von Arbeitsgruppen in den Entstehungsprozess des LAR eingebunden.

Dunkelfeldstudie

Immer noch werden Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und solche häuslicher Gewalt/Partnerschaftsgewalt nur zu einem Teil tatsächlich zur Anzeige gebracht.Die Landesregierung hat sich frühzeitig darauf verständigt, eine Studie mit dem Ziel durchzuführen, die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik um Erkenntnisse zur Opfererfahrungen, Sicherheitsempfinden und Kriminalitätsfurcht zu ergänzen und so auch Aussagen zu Jungen und Männern zu erhalten. Dazu werden das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, das Ministerium des Innern und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in 2019/2020 einen Dunkelfeldstudie durchführen. Mehr Informationen dazu hier.

Koordinierung der Bekämpfung von Gewalt gegen Männer und Frauen

Im Juli 2018 wurde die „Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männer" eingerichtet. Deren Aufgabe ist es im Besonderen, einen behörden- und institutionenübergreifenden Erfahrungs- und Informationsaustausch zu organisieren und zu moderieren sowie die Umsetzung der Landesaktionspläne fachlich zu begleiten. Die Landeskoordinierungsstelle fungiert zugleich als Bindeglied zu den in Nordrhein-Westfalen tätigen Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt, die durch ihren pro-aktiven Ansatz zeitnah nach einem Polizeieinsatz den betroffenen Opfern ein Beratungsangebot unterbreiten.

Um einen ersten Überblick über Maßnahmen und Projekte der einzelnen Ressorts zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männern zu erhalten, führt das Ministerium eine landesweite Abfrage in allen Ressorts der Landesregierung durch.

Hilfeinfrastruktur für männliche Opfer und Ratsuchende

Die Landesregierung arbeitet zurzeit an einer systematischen Auflistung der Hilfeinfrastruktur für Jungen und Männer. Die Art und Zahl der Einrichtungen, die angebotenen und in Anspruch genommenen Leistungen sowie die qualitativen Bedingungen der professionellen Arbeit und deren Finanzierung sollen hierbei erhoben werden.

Finanzielle Mittel

Zur Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen zum Schutz von Jungen und Männern vor Gewalt wurde im Einzelplan 08 im Kapitel 08300 (Gleichstellung von Frauen und Männern) die Titelgruppe (TG 63) im Landeshaushalt eingerichtet.

Die veranschlagten Mittel für 2018 und 2019 von jeweils 100.000 Euro dienen zunächst der Erarbeitung des Landesaktionsplans und der Vorbereitung und Durchführung der beschriebenen Maßnahmen.