Symbolfoto Frau Stopp

Vor Gewalt schützen

Die Landesregierung will mit ihren Initiativen den Schutz von Frauen und Mädchen erhöhen und auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam machen. 

Zielvereinbarung über die Zukunftssicherung der Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW e. V. eine Zielvereinbarung über die Zukunftssicherung der Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen unterzeichnet.

 

Solide und tragfähige Finanzierung

Gemeinsam mit den allgemeinen und spezialisierten Frauenberatungsstellen sind die Frauenhäuser unverzichtbare Einrichtungen im Zusammenhang mit dem Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Die Landesregierung hat das Ziel, für das Netz der landesseitig geförderten Frauenhäuser für die Zukunft eine solide und tragfähige Finanzierung sicherzustellen. 2019 hat die Landesförderung für den Schutz und die Hilfe von Gewalt betroffener Frauen in Frauenhäusern erstmals die 10 Millionen Euro-Grenze überschritten. 

 

Mehr Plätze schaffen

Die Schaffung von mehr Plätzen in den landesseitig geförderten Frauenhäusern ist eine weitere Zielsetzung, um der Nachfrage schutzsuchender Frauen besser gerecht zu werden. Bis 2022 sollen die ursprünglich 571 Plätze in den landesseitig geförderten Einrichtungen um 50 weitere Plätze erhöht werden. Im ersten Jahr nach Abschluss der Zielvereinbarung konnten bereits 19 zusätzliche Plätze für Frauen in den landesgeförderten Frauenhäusern geschaffen werden. 

 

Langzeitaufenthalte reduzieren

Nach dem Berichtswesen der Frauenhäuser des Landes (Berichtszeitraum 2008 bis heute) verlassen mehr als 80 Prozent der Frauen das Frauenhaus bereits nach spätestens drei Monaten wieder. Das Berichtswesen bildet damit ab, dass Frauenhäuser Akutschutzplätze für Frauen und ihre Kinder anbieten und damit einen Übergangscharakter haben. Dies entspricht auch dem konzeptionellen Selbstverständnis der Frauenhäuser. Das Berichtswesen verzeichnet aber auch seit Jahren sinkende Zahlen der neu aufgenommenen Frauen bei gleichbleibender bis steigender Belegung der Plätze und belegt damit die durchschnittlich längere Aufenthaltsdauer der Frauenhausbewohnerinnen.

In gemeinsamer Anstrengung sollen auch die Langzeitaufenthalte in Frauenhäusern (länger als sechs Monate) bis Ende 2020 um 20 Prozent reduziert werden. „Die Gründe für einen längeren Aufenthalt sind hierbei differenziert zu betrachten. Der akute Schutz vor Gewalt hat höchste Priorität in der Arbeit der Frauenhäuser, unabhängig von der Aufenthaltsdauer.

 

Weitere Informationen

    Bestehendes Hilfesystem weiter verbessern

    Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen wird erstmals mittels einer Studie die Hilfeangebote für gewaltbetroffene Frauen sowohl im ländlichen als auch im städtischen Raum untersuchen. Ziel der Studie ist es, das bestehende Hilfesystem zu verbessern und mögliche Angebotslücken im Land zu schließen. Durchgeführt wird die Studie vom sozialwissenschaftlichen Institut „zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V.“ Die Untersuchung ist im Februar 2019 gestartet. Die Ergebnisse werden 2020 vorliegen. Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um eine bedarfs- und zielgruppengerechte Versorgung in ganz Nordrhein-Westfalen zu schaffen.

     

    Ein Baustein zum Schutz vor Gewalt 

    Die Untersuchung ist einer von mehreren Bausteinen, die die Landesregierung zum Schutz gewaltbetroffener Frauen auf den Weg bringt. Mit den Landeshaushalten 2018 und 2019 hat das Land die finanziellen Mittel für die Hilfeinfrastruktur um insgesamt eine Million Euro erhöht, deren nachhaltige Verwendung in einer gemeinsamen Zielvereinbarung zwischen dem Land und der Trägerlandschaft festgelegt wurde.

    Die Landesregierung fördert ein landesweites Netz von Beratungs- und Hilfeangeboten: 64 Frauenhäuser, 58 allgemeinen Frauenberatungsstellen, 52 Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt, 8 spezialisierten Beratungsstellen für Menschenhandelsopfer sowie 2 Beratungsstellen für Opfer von Zwangsheirat erhalten Landeszuwendungen. Eine Übersicht finden Sie auf unserer Seite Hilfeangebote.

    Mehr Geld vom Land

    Die Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen leisten tagtäglich unverzichtbare Arbeit. Die Landesregierung will diese Arbeit deshalb bestmöglich unterstützen. Aus diesem Grund wurden die Personalkostenpauschalen, die das Land zahlt, wurden ab dem 1. September 2017 durch die Landesregierung um rund 2,5 Prozent erhöht. Dies entspricht einem Gesamtbetrag von rund 200.000 Euro. Zusätzlich wurden ab dem 1. Januar 2018 die Förderung der Sachausgaben geöffnet. Die Förderung der Sachausgaben war bis zu diesem Zeitpunkt auf bestimmte Ausgabenzwecke beschränkt. Durch die Änderung können die Frauenhäuser den pauschalierten Zuschuss des Landes flexibler und bedarfsgerechter einsetzen.

     

    Öffentliche Wohnraumförderung

    Ministerin Ina Scharrenbach hat am 20. August 2018 über die Öffnung der öffentlichen Wohnraumförderung im Rahmen des experimentellen Wohnungsbaus auch für die Förderung von Frauenhäusern bekanntgegeben. Noch im Jahr 2018 wurden Fördermittel über insgesamt rund 3,3 Millionen Euro für zwei Ersatzneubauten je eines Frauenhauses in Bochum und in Köln bewilligt.

     

    Haushalt 2018

    Der Landeshaushalt 2018 für die Förderung von Frauenhäusern hat einen Mittelzuwachs in Höhe von 500.000 Euro auf 9,97 Millionen Euro. Damit wurde zusätzlich zur Personal- und Sachkostenförderung eine Platzpauschale eingeführt, die für jeden Frauenplatz gewährt wird, der über der Mindestplatzzahl von acht Plätzen pro Frauenhaus liegt.

     

    Haushalt 2019

    Mit dem Landeshaushalt 2019 ist eine weitere Erhöhung der Finanzmittel um 400.000 Euro auf 10,37 Millionen Euro zur Zukunftssicherung der Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen vollzogen worden. 2019 hat die Landesförderung für den Schutz und die Hilfe von Gewalt betroffener Frauen in Frauenhäusern erstmals die 10 Millionen Euro-Grenze überschritten. Damit wurde die Neuaufnahme zweier bestehender Frauenhäuser in die Landesförderung möglich. Nordrhein-Westfalen fördert mit den Neuaufnahmen nunmehr 64 Frauenhäuser. Die Versorgung ist flächendeckend, das heißt in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen gibt es mindestens eine landesgeförderte Einrichtung. Die Finanzierung der Frauenhäuser setzt sich insgesamt zusammen aus Landesmitteln, kommunalen Zuschüssen, Eigenmitteln der Träger sowie einer Einzelfallfinanzierung im Rahmen von Sozialleistungen.

     

    Ambulante Beratungsstellen

    Außerdem wurden zusätzlich ab dem 1. Januar 2018 die Personalkostenzuschüsse aller ambulanten Beratungsstellen der Frauenhilfeinfrastruktur in Nordrhein-Westfalen um 2,5 Prozent bzw. um insgesamt rund 200.000 Euro erhöht. Erstmals seit Jahren haben die Frauenberatungsstellen mehr Geld für ihre Arbeit bekommen.

    Mehr zum Thema Haushaltsmittel der Landesregierung zur Gleichstellungspolitik finden Sie auf der unserer Seite Landeshaushalt.

    Opferhilfe erfordert Vernetzung

    Gewaltopfern kann schneller und effektiver geholfen werden, wenn vor Ort alle bestehenden Hilfeangebote gut miteinander vernetzt sind.

    Um die vielen Aspekte der Gewalt gegen Frauen zu erfassen und ineinander greifende Hilfekonzepte für die Opfer zu entwickeln, bedarf es einer interdisziplinären intensiven Kooperation aller beteiligten Stellen. Gleichstellungsbeauftragte, Polizei, Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser, Jugendämter, Justiz sowie der Gesundheitsbereich müssen wirkungsvoll zusammenarbeiten.

     

    Unterstütztung von Runden Tischen

    Wie schon in den letzten Jahren unterstützt das Ministerium auch 2019 die Arbeit der Runden Tische, Arbeitskreise und Kooperationen gegen Gewalt an Frauen bei ihrer Professionalisierung und beim Aufbau von Vernetzungsstrukturen. Etwa 1.600 Vernetzungsprojekte mit einem Fördervolumen von 3,1 Millionen Euro konnten auf diese Weise bereits realisiert werden.

    Die Landesregierung hat auch in 2019 Mittel für die Förderung von Selbstbehauptungskursen vorgesehen. Im Rahmen der Förderung der örtlichen/regionalen Kooperationen können damit zusätzlich zu den Projekten zur Verbesserung der Zusammenarbeit der örtlichen Akteure auch Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Frauen gefördert werden.

    Die Bandbreite der Fördermaßnahmen ist vielfältig. So können unter anderem Mittel für Maßnahmen der Qualifizierung und Moderation sowie für Öffentlichkeitsarbeit und für Veranstaltungen zu verschiedenen Themenbereichen der Gewalt zur Verfügung gestellt werden. Neben der Verbesserung der Zusammenarbeit und der Vermittlung allgemeiner Informationen dient die Vernetzungsförderung insofern auch der Sensibilisierung für bestimmte Opfergruppen.

     

    Weitere Informationen

    Modellprojekt zum Schutz von Gewalt gegen Frauen

    Nordrhein-Westfalen beteiligt sich an dem Modellprojekt des Bundes zur Weiterentwicklung des Hilfesystems zum Schutz von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Mit der Umsetzung des Projektes nimmt Nordrhein-Westfalen das erste Mal das Schutz- und Hilfesystem unter unterschiedlichen regionalen Rahmenbedingungen in den Blick und entwickelt es für gewaltbetroffene Frauen bedarfsgerecht weiter. Nordrhein-Westfalen ist eines von fünf Bundesländern, das vom Bund für das Modellvorhaben ausgewählt wurde.

    Frauen, die von Gewalt betroffen sind, brauchen Schutz. Dass Nordrhein-Westfalen vom Bund als Projektregion ausgewählt wurde, ist eine zusätzliche Unterstützung. Die Nordrhein-Westfalen-Koalition hat sich darauf verständigt, das spezialisierte Hilfeleistungssystem aus ambulanten und stationären Angeboten wissenschaftlich zu analysieren, um zu einer landesweit bedarfsdeckenden Versorgung zu kommen. Dafür ist das Bundesprojekt ein wertvoller Baustein.

    Landesaktionsplan "Nordrhein-Westfalen schützt Frauen und Mädchen vor Gewalt"

    Der Landesaktionsplan "Nordrhein-Westfalen schützt Frauen und Mädchen vor Gewalt" bündelt alle Maßnahmen, die das Ziel haben, die Entstehung von Gewalt zu verhindern und betroffenen Frauen und Mädchen frühzeitig zu helfen. Dazu kommen Maßnahmen, die Hilfesysteme und Umfeld dafür sensibilisieren, die Folgen von Gewalt besser zu erkennen.

    Der Landesaktionsplan nimmt verschiedene Handlungsfelder und Zielgruppen in den Blick. Neben den Ereignissen der Silvesternacht von Köln oder den Bedürfnissen traumatisierter Flüchtlingsfrauen werden auch Themen wie Gewalt im digitalen Raum, Gewalt in der Prostitution oder Gewalt im Bereich Trauma und Alter aufgegriffen.